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Berechnung der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte | Teil 1

Kann für den zu versteuernden Nutzungsanteil für private Fahrten mit dem Firmenwagen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte beim Unternehmer wie beim Arbeitnehmer ein bestimmter Betrag hinzugerechnet werden, wenn nur wenige Fahrten erfolgen?
Der BFH hat eine Anwendung der Rechtsprechung zur Berechnung bei Arbeitnehmern für Unternehmer verneint. Lesen Sie hier, wie Sie rechnen müssen.
Mit Urteil vom 12.6.2018 (BFH, Urteil v. 12.6.2018, VIII R 14/15) hat der BFH dargelegt, wie seiner Ansicht nach der Hinzurechnungsbetrag für die Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte bei einer Nutzung eines betrieblichen Fahrzeugs durch einen Selbstständigen zu erfolgen hat.
 
Praxis-Hinweis: Wann ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch zu empfehlen ist
Zentrale Bedeutung für die Entscheidung hat die folgende Frage:
Ist die Rechtsprechung des BFH zur Ermittlung des privaten Nutzungsanteils für die Nutzung eines betrieblichen Fahrzeugs durch einen Arbeitnehmer in Gänze auf die Nutzung durch einen Selbstständigen oder Gewerbetreibenden übertragbar?
Der BFH hat dies hinsichtlich der Ermittlung des Hinzurechnungsbetrags für die Fahrten Wohnung/Arbeitsstätte verneint. Hintergrund ist, dass der BFH bei Arbeitnehmern bereits seit vielen Jahren die Auffassung vertritt,
  • die Hinzurechnung von 0,03 % pro Monat und Entfernungskilometer ist dann unbillig,
  • wenn im Durchschnitt deutlich weniger als 15 Fahrten pro Monat getätigt werden.
Dann ist eine fahrtenbezogene Ermittlung zulässig, wie sie die Klägerin hier vorgenommen hat. Den Unterschied verdeutlicht eine Vergleichsrechnung, die unabhängig von den Umständen im hier besprochenen BFH-Urteil ist:
 
Berechnung lt. Klägerin  
85 Fahrten á 30 km  
Listenpreis 40.000 EUR  
Nutzungsanteil: 85 x 40.0000 x 0,002 % x 30 2.040
Abzüglich Entfernungspauschale (85 x 30 x 0,30) -765
 Hinzurechnung gemäß Berechnung Klägerin    1.275

Berechnung lt. BFH:

 
Nutzungsanteil 12 x 40.000 x 0,03 x 30 = 144 x30 4.320
Abzüglich Entfernungspauschale -765
Hinzurechnung gemäß Berechnung des BFH 3.555
 
Insgesamt ist damit in der Vergleichsrechnung pro Jahr nach der Berechnung des BFH, die allein auf die monatliche Pauschale abstellt, ein Mehrbetrag von 2.280 EUR zu versteuern.
Die Entscheidung des BFH ist dabei aufgrund der Formulierung des Gesetzes wohl zutreffend, auch wenn die Rechtsfrage bislang in der Literatur durchaus umstritten war. Wichtig ist es aber eines zu erkennen: Betroffene Steuerpflichtige sind durchaus nicht gezwungen, die nachteilige Rechtsprechung des BFH anzuwenden. Stets besteht nämlich die Möglichkeit, den privaten Anteil genau durch die Führung eines (ordnungsgemäßen) Fahrtenbuchs nachzuweisen. Das mag zwar im Einzelfall als lästig empfunden werden, führt aber sicherlich zum zutreffenden Ergebnis, da Pauschalen und Typisierungen stets mit Unsicherheiten behaftet sind.
 
Forsetzung folgt
 
Diese fachlichen Informationen können den zugrundeliegenden Sachverhalt oftmals nur verkürzt wiedergeben und ersetzen daher nicht eine individuelle Beratung durch Ihren Steuerberater.
 
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